Digitale Monetarisierung (Teil 1)

Digitale Monetarisierung (Teil 1)

Folgt man den Visionen der Big-Player des digitalen Universums aus dem Silicon Valley, dann ist das Internet in vielen Punkten ein Instrument zur maßgeblichen Verbesserung der Welt. Allerdings hat eine Münze stets zwei Seiten. Manchmal sogar noch mehr, zumindest in der digitalen Welt. Zur Hochzeit der Gründungen von Tech-Unternehmen im Valley war der Gedanke zur Weltverbesserung eher zweitrangig. Stattdessen lag der Fokus vieler Gründungen wohl eher auf lukrativen Geschäftsmodellen mit skalierbaren Einnahmen.  

Dieser Beitrag soll zeigen, wie Unternehmen ihre Angebote monetarisieren. Wenn wir uns mit diesem Thema auseinandersetzen, erfahren wir, welche Interessen Unternehmen mit ihren Produkten, Inhalten oder Dienstleistungen verfolgen und welche wesentliche Rolle der User dabei spielt. 

Kostenfrei, doch zu welchem Preis?

Zunächst sollte sich jedoch jeder von uns mit dem Gedanken anfreunden, dass als „kostenfrei“ oder „gratis“ angepriesene Angebote auf einer anderen Ebene in der Regel durchaus hohe Kosten verursachen. Zumindest, wenn wir die Kosten nicht nur in der momentanen Währung definieren. Unternehmen stellen sich bei dem Launch eines Produkts, z. B. einer neuen App, während der Entwicklung der Product Strategy stets Fragen zur Aufteilung von Kosten und Vorteilen für User.  

So ist eine kostenfreie App noch lange nicht kostenfrei, wenn man nur den Weg (Customer Journey) und die Mühe des Users bis zur Installation und aktiven Nutzung dieser App berechnet. Natürlich sorgt die App für eine Lösung eines großen Problems, aber kann diese wirklich kostenfrei sein? Die Antwort ist ein klares Nein. 

Bei der Registrierung muss der User relativ viele personenbezogene Daten und Interessen angeben, einige Häkchen zur Akzeptierung der Richtlinien anklicken, die, wenn wir ehrlich sind, keiner von uns liest. Zumindest nicht komplett. So sammelt das Unternehmen fleißig Daten, mit denen es den potenziellen Kunden nicht nur seine eigene individualisierte Werbung zuspielen kann. Diese Kundendaten können nun auch mit den – wir erinnern uns – in den Richtlinien festgelegten Kooperationspartnern teilen.  

So bekommt der User mal schnell nicht nur Werbung eines Anbieters zugespielt, sondern eben von ein paar mehr. Dabei müssen wir aber auch zugeben, dass die DSGVO, welche seit dem 25. Mai 2018 in der gesamten EU in Kraft ist, natürlich den Spielraum solcher waghalsigen Werbemaßnahmen etwas eingeschränkt hat. Eine komplette Unterbindung bleibt aber aus selbsterklärenden Gründen natürlich aus.  

Münzen und Geld, Gewinn aufgrund von erfolgreichen Monetarisierungsmodellen

Erfolgreiche Monetarisierungmodelle – offensichtlich, aber kaum hinterfragt

Und damit sind wir auch schon bei dem ersten Monetarisierungsmodell angekommen, welches übrigens an den Offline-Handel direkt anknüpft:  

Direct E-Commerce 

Verschiedene Unternehmen betreiben einen scheinbar simplen Online-Shop, in dem User die Möglichkeit haben, ihre Lieblingsartikel ganz bequem vom Sofa aus zu bestellen. Lidl.de hatte im Jahr 2017 einen Umsatz von rund 594 Mio. Euro und landete dabei auf Platz 6. Auch Zalando ist ein großer Name in diesem Genre.  

Hier schließe ich zur Veranschaulichung gleich das zweite Monetarisierungsmodell an: 

Online-Marktplätze und -Plattformen

Dazu zählt natürlich der Big-Player amazon.de mit einem Marktanteil von 53 % im Jahr 2017 in Deutschland. Der wohl bekannteste Marktplatz unter privaten Usern ist eBay.de. Beide verdrängen mit ihrem Geschäftsmodell kleinere Unternehmen im E-Commerce-Bereich. Diese entscheiden sich dann zu einem Seller-Account bei z. B. Amazon und verkaufen ihre Ware idealerweise via FBA (Fullfillment by Amazon) auf dem Marktplatz.  

Einen klaren Vorteil haben solche Marktplätze allerdings: Kundenbewertungen und Erfahrungswerte sind heutzutage unabdingbar. Auch digitale Inhalte wie Apps, E-Books und Streaming werden von Marktplätzen und Plattformen angeboten. Eine besondere Form dieses Angebots ist die Versteigerung (Auction). Auch Google zählt dazu, denn die Anzeigen bei Google (Search Engine Advertisement) werden in Echtzeit versteigert. Irgendwie hat bisher jedes der Modelle mit programmatischer Versteigerung von Werbeplätzen zu tun … 

Amazon-Logo auf Smartphone, Online-Marktplatz und -Plattform
Der Verkauf von persönlichen Daten an Dritte

Auf einer Website wie Bild.de solltest du einmal auf die gezielte Werbung von Dritten achten. Diese erscheint dort nämlich irgendwo. Dafür kaufen sich Drittanbieter relevante und gut verwertbare Nutzerinformationen von Betreibern einer kostenfreien App. Der Platz für die Werbebanner wird in Echtzeit versteigert und an den Bestbietenden in Währung und teilweise in Relevanz verkauft, Stichwort: Programmatic Advertisement.

Zeit, die Augen zu öffnen

Vielleicht konnte ich jetzt schon ein bisschen Klarheit über die Kommunikationsstrukturen deiner digitalen Umwelt schaffen. Vielleicht sind diffuse Vorahnungen davon, was mit deinen Daten passiert, nun bestätigt worden. Und vielleicht gefällt dir diese Realität auch nicht. Doch erst mit der Aufklärung wird der konstruktive Umgang mit deiner digitalen Umwelt möglich.  

Verzage also nicht, sondern informiere dich weiter. In Kürze folgt hier Teil 2 zum Thema. In dem schauen wir uns noch weitere Monetarisierungsmodelle an, wie etwa das der Sharing Community oder die SaaS-Lösungen an, die den Markt revolutioniert haben. 

Du verstehst jetzt, wie Unternehmen ihre Angebote monetarisieren? Dann teile diesen Beitrag und lasse andere an deinem Wissen teilhaben!