„Es entstehen ganz andere, eigene Synergien“: Wie unser Start up erwachsen wird

„Es entstehen ganz andere, eigene Synergien“: Wie unser Start up erwachsen wird

Marc, der Name für deine Firma war gut gewählt – bei der Highlife Media GmbH ist quasi immer Highlife. In einem Interview für ein Studienprojekt sprachst du 2017 über die aufregenden Gründungsjahre deines Unternehmens, die Ideen, die überhaupt dazu führten, und über damalige Zukunftspläne. 

Jetzt, zwei Jahre später, finden wir, es ist wieder einmal Zeit für die nächste Zwischenbilanz. Es hat sich nämlich viel verändert: Das Team ist, wie geplant, erheblich gewachsen und die Büroräume gleich mit. Souterrain Rothenbaumchaussee adé, hello Winterhude!  

Einiges ist aber auch geblieben, wie etwa deine Bescheidenheit und kluges Nachdenken über Projektinvestment sowie der freundschaftliche Umgang im Kollegium. Setzen wir an den Themen von 2017 noch einmal an, um ein authentisches Bild der Highlife Media GmbH im Wachsen zu zeichnen. 

Ein Gespräch zwischen Marc Fabrega, geschäftsführender Gesellschafter der Highlife Media GmbH, und Katharina Berg, Content Managerin in demselben Unternehmen. 

Der Umzug von der Rothenbaumchaussee in die Dorotheenstraße ist nun ein gutes halbes Jahr her. Ist er abgeschlossen oder muss noch was gemacht werden? Was hat sich seitdem verändert?  

Hauptsächlich hat das Team mehr Platz, sich auszubreiten, kreativ zu werden. Wir haben längere Laufwege, was auch ein bisschen mehr Freiheit um einen herum schafft. So kann man sich bei Bedarf auch mal zurückziehen, etwa zum Telefonieren. Das Büro ist ein ständiges Work in Progress – hier kommt mal ‘ne Couch, da wird was an die Wand gemalt. Es ist noch nicht abgeschlossen. Insgesamt ist viel im Umbruch, Vieles soll noch kommen.  

Highlife ist innerhalb gut eines Jahres von euch zwei Mitarbeitern auf zwölf angewachsen. Zeitweise sind zusätzlich drei Praktikanten zeitgleich da. Außerdem sind Räume der Firma an Medienpartner vermietet, sodass sich in der Dorotheenstraße oft ein bunter Haufen ambitionierter Leute sammelt. Was sind die Vor- und Nachteile des größeren Teams? 

Klarer Vorteil ist, dass man mehr und komplexere Aufgaben im Team angehen kann und es entstehen ganz andere, eigene Synergien. Dank der großen Eigenverantwortung der Mitarbeiter ist bei mir nun wieder mehr Raum für Projektplanung, die systematische Arbeit am Produktportfolio und einfach die Konzentration auf die Kernaufgaben. Mehr Ressourcen zu haben, ist ein echter Gewinn.  

Eine Herausforderung davon, dass verschiedene Leute durch Büro wandeln, ist die Vielzahl an Wünschen und Bedürfnissen. Jeder hat seinen eigenen Wirkungskreis und seine Vorstellungen von der Arbeit an den Produkten und im Team, sodass es manchmal schon schwierig sein kann, jedem gerecht zu werden. Dabei muss natürlich auch das betriebswirtschaftliche Klima stimmen.  

Haben sich dein Arbeits- und Privatleben in den letzten zwei Jahren verändert? Hast du eine Work-Life-Balance? Welche ungelösten Aufgaben warten diesbezüglich in der nächsten Zeit auf dich?  

Meine Work-Life-Balance ist immer noch klar eher Richtung Work statt Richtung Life verschoben. Das liegt aber auch daran, dass ich immer noch sehr viel Spaß an meiner Arbeit habe. Ich habe meinen Gründer-Elan bis heute nicht verloren, ich freue mich immer noch, dass wir weiterwachsen und wir sind alle weiter zielstrebig bei der Sache. Gut ist da wieder die Team-Vergrößerung. Wenn ich mir vorstelle, dass ich am Anfang jahrelang der einzige Motor war, der alleine vor einem Riesenhaufen Arbeit stand. Stattdessen arbeiten nun alle jeden Tag mit daran, dass wir immer einen Schritt weiterkommen. Und noch einen Schritt, und noch einen.  

Sport wäre mal wieder ganz gut. Aber sonst geht das ganz gut. Ich sehe meine Freunde regelmäßig, nehme mir meine Auszeiten. Urlaub ist aber noch ein großes Thema und sehr schwierig zu planen. Das ist ein Ziel, spätestens für 2020, mal wieder etwas freier zu sein und ganz normal Urlaub machen zu können, wie die anderen Mitarbeiter auch.  

Wie kommst du mit deiner Aufgabe als Chef zurecht? Sowohl in der Administration als auch als Bestimmer über ein fleißiges Team?  

Das ist einer der größten Punkte, die sich für mich verändert haben. Ich bin kein gelernter BWLer und habe Administration nie in der Ausbildung gelernt, sodass ich mir autodidaktisch aneignen musste, wie es geht. Ich brenne nicht gerade für Buchhaltung, sondern sehe es als notwendigen Teil meines Jobs. Sie hat aber den Vorteil, dass man das Wachstum des eigenen Unternehmens an den Zahlen sehen kann. Die Aufgaben sind oft wie Kinderschuhe, die eine Nummer zu groß sind und in die man reinwachsen muss.  

„Chef spielen“ ist für mich immer so eine Sache. Klar, bin ich am Ende derjenige, der die volle Verantwortung übernimmt. Aber: Ich möchte nicht der sein, der immer gefragt wird, der alles durchdenkt und alle Projekte bis ins Detail kennen muss. Ja, ich habe immer die Verantwortung und die übernehme ich auch gerne. Aber ich muss und möchte nicht alles mitkriegen. Das Vertrauen in die Mitarbeiter ist sehr wichtig.  

Außerdem war mir immer wichtig, eine kollegiale und freundschaftliche Ebene zu finden, sodass man mit den Mitarbeitern auch eine gute Zeit haben kann und nicht auf einer einsamen Insel sitzt. Es gibt eine klare Hierarchie und alle wissen, dass ich der Geschäftsführer bin. Aber die Hierarchien sind flach genug aufgebaut, sodass auch noch Raum für eine gute zwischenmenschliche Ebene bleibt. Wer lädt seinen Vorgesetzten schon zu einer privaten Party ein? 

Ich denke, mein Verständnis von Teamarbeit spielt da mit rein: Auch wenn ich derjenige bin, der die Unterschrift unter den Vertrag setzt, kommuniziere ich Team und Kunde sehr klar, dass ich nicht derjenige bin, der die Arbeit (alleine) geleistet hat. Ich bekomme sehr viel Lob von Kunden, welches eigentlich dem Team gebührt. Das trage ich dann natürlich weiter und wir feiern Erfolge gemeinsam im Kollegium. Umgedreht muss ich aber auch ausbaden, wenn den Mitarbeitern Fehler passieren – falls denn mal welche passieren. Das war vor zwei Jahren auch anders. Rufen jetzt Kunden an, muss ich mich manchmal erst einmal eingehend im Team über die Projekte informieren und einarbeiten.  

Der Umgang im Team ist immer noch sehr freundschaftlich. Es wird viel zusammen gelacht oder konstruktiv gestritten und auch Einiges unternommen. Stehst du heute immer noch so entspannt zur Kombination von Freundschaft und Arbeit?  

Diese Kombination ist nahezu unerlässlich für ein Unternehmen wie unseres! Spitze Hierarchien, alles von oben zu delegieren, war nie das Ziel. Das setzt aber voraus, dass jeder Einzelne eigenverantwortlich und selbständig an den Projekten arbeitet und sich ins Team einbringt. Da gehört die freundschaftliche Ebene einfach dazu. Außerdem sind sonst ja auch keine kreativen Prozesse möglich. 

Um gute Prozesse zu schaffen, möchte ich meine Kollegen und Mitarbeiter einfach auch persönlich kennen und gerne wissen, was bei den anderen so abgeht, auch im Privatleben. Eine positive Einstellung bei der Arbeit ist mir sehr wichtig. Natürlich gibt es auch mal Reibung, aber im Kern sollte man sagen: „Es ist schön jeden Tag zu Highlife zu gehen und wird auch heute wieder Spaß machen.“ Das fängt an bei den Kollegen, mit denen man sehr viel Zeit verbringt und gemeinsam die Projekte abarbeitet. 

Im Interview 2017 erzähltest du, du wärst immer der Jüngste am Verhandlungstisch. Und auch jetzt sind einige Mitarbeiter sogar älter als du. Hat sich etwas in deiner Wahrnehmung als junger Arbeitgeber und Firmen-Gründer verändert?  

Ja, ich fühle mich immer noch jung. In einige Aufgaben bin ich mittlerweile hineingewachsen und reifer geworden. Und klar, bin ich oft immer noch der jüngste am Konferenztisch, aber mit den bisher gemeisterten Herausforderungen und genommenen Hürden rückt dieser Fakt immer weiter in den Hintergrund. Inzwischen ist das Alter oft gar kein Thema mehr. Im Kernteam sind alle älter als ich, aber das stellte bisher gar kein Problem dar.  

Inwieweit hat sich Highlife Media verändert? Dass sich das Profil geschärft und gefestigt hat, ist offensichtlich. Aber was ist noch geschehen?  

Wir sind als Unternehmen reifer und größer geworden, sodass wir auch den Kunden gegenüber ganz andere Möglichkeiten bieten können. Das Schöne ist: Trotz des wachsenden Teams haben sich in den letzten Jahren die Grundwerte nicht verändert. Im Gegenteil haben sie sich sogar noch gefestigt. Der Kunde steht weiterhin im Mittelpunkt und wir fahren kein rein profitorientiertes Programm. Das macht Spaß und ist nachhaltig. Highlife Media wirkt nun natürlich auch deutlich gestandener und gefestigter. Die Kunden sehen, dass sich das Unternehmen mit ihnen und für sie weiterentwickelt. 

Rundherum hat sich aber alles geändert. Wir sind größer, das sind ganz andere Prozesse, Wege und Mechanismen. Durch die vielen Leute ist auch der emotionale Bezug zum Unternehmen ganz anders. Heute sage ich morgens einem ganzen Team ‘Guten Morgen’. 

Ist dein Unternehmen jetzt so, wie du es dir vorgestellt hast? Wo steht Highlife Media gerade? Welche nächsten Schritte der Firmenentwicklung stehen auf dem Plan? 

Als ich das Unternehmen gründete, hatte ich kein konkretes Bild davon, wie es sein sollte, lediglich verschiedene Vorstellungen. Ich bin sehr zufrieden mit dem jetzigen Status. Die Richtung stimmt, aber es gibt noch ein paar Schritte zu tun. Man hat immer Punkte, die man optimieren und an denen man wachsen möchte. Es ist gesund, gerade als Gründer diese Leidenschaft mitzubringen. Es ist wunderschön, dass es diese Energie auch im Team gibt, denn wir wollen ja weiterwachsen.  

Im Interview 2017 gabst du an, dass dich an deinem Job am meisten die Kundengespräche, der Spaß am Projekt und die zufriedenen Gesichter der Kunden reizen und Administratives dir so gar keinen Spaß macht. Ist das heute noch so?  

Großteils ja. ‘Kunde’ ist immer noch eine meiner Lieblingsdisziplinen. Es macht mir unglaublich viel Spaß mit den Kunden zu sprechen, zu verstehen, was sie möchten, sie zu beraten und mit ihnen den gemeinsamen Weg zu gestalten, besonders mit dem Team jetzt, das eine ganz andere Basis bildet. Jeder Projektabschluss mit Kunden ist super.  

Administratives ist immer noch nicht meine Lieblingsaufgabe, aber man gewöhnt sich an alles. Es ist nicht mehr so schlimm wie früher. Früher war ja Vieles auch noch neu, was für mich nun Routine ist. Ich bin jetzt in viele Themen eingearbeitet und kann sie zielgerichtet abarbeiten. Außerdem habe ich nun auch Ella, die mir Teilaufgaben in diesem Bereich abnimmt 

Aus deinem mutigen und jugendlichen Wunsch, eine Firma zu gründen, um Filme zu machen, ist ein etabliertes kleines Unternehmen gewachsen, das zuversichtlich in die Zukunft schaut. 2017 gabst du Neu-Gründern diese Tipps mit auf den Weg: Bleib am Ball, drück dich nicht vor deiner Verantwortung, suche dir Hilfe, wenn du sie brauchst, bleib offen für neues Wissen und lass dein Privatleben nicht zu kurz kommen. Würdest du heute etwas ergänzen oder ändern?  

Diese Tipps gelten heute immer noch. Ich würde ergänzen, dass man sein eigenes Tun, seine Entscheidungen, sein Geschäftsmodell immer mal wieder auf die Probe stellen muss. Es tut gut, in den offenen Austausch zu gehen und sich dabei nicht nur mir Ja-Sagern zu unterhalten, sondern Menschen zu suchen, mit denen man da offen und ehrlich sprechen kann. Denn nur so lernt man etwas über sich selbst und kann sich weiterentwickeln: Wie haben andere diese oder jene Hürde genommen und was kann ich daraus lernen? Gerade in unserer schnelllebigen Branche muss man immer den Markt beobachten, das eigene Konzept hinterfragen und gegebenenfalls anpassen, sich auf die kommenden Themen und Innovationen einlassen. Solche Dinge muss eine Agentur frühzeitig erkennen und daraus lernen. Es geht immer weiter. Das haben wir in den letzten zwei Jahren gelernt: Man ist nie fertig.  

Vielen Dank für das Interview, Chef.  

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